Stefan Krüger | lyrische Texte
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blind date
über der zimmertür das hirschgeweih
die uhr schlägt drei
die küchentüre öffnet sich
die kaffeedose auf dem küchentisch
die blumen in der vase sind noch frisch
die kekse nicht
es klingelt einmal, dreimal wird geklopft
sie gießt das letzte kaffeewasser aus dem topf
ihr blick verflüchtigt sich im spiegelbild
die lippen werden mit der fingerspitze nachgezogen
die brüste werden prüfend in der hand gewogen
dann ist die gier nach schönheit schon gestillt
die tür geöffnet und ihn eingelassen
nervös fährt er mit seinen fingern durch das haar
das heute morgen noch ganz dünn und schütter war
doch warum nicht mit fremden federn prassen
wenn das ergebnis nicht ganz billig war
der kleine schnurrbart und der kugelige bauch
der erste blick gefällt ihr gut, und sie ihm auch
sie trinken kaffee und erzählen sich
und seine blumen stehen auf dem küchentisch
er lobt die kekse, und sie freut sein kompliment
obwohl sie sicher komplimente kennt
hört sie sehr selten solche über sich
sie sagen plötzlich du statt sie
und er berührt ganz zufällig ihr knie
der wein ist leer, sie kichert leicht
und folgt zur tür, denn er muss gehen
um ihm den mantel aufzuhalten
sie haben sich doch sehr gut unterhalten
ob sie sich wiedersehen
nun – vielleicht
Stefan Krüger, Bretagne, Juli 2000
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