Stefan Krüger | lyrische Texte
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Jack und die Zauberbohne
Roald Dahl: Jack and the Beanstalk
Jacks Mutter fluchte: "Wir sind blank.
Verkauf die Kuh! Die ist zwar krank,
doch wenn du sagst, sie wurde jetzt
auf über Tausend Pfund geschätzt,
dann denkt kein Mensch an BSE.
Und wer’s nicht weiß, dem tut’s nicht weh!"

Jack suchte mit der Kuh sein Glück
und kam am Nachmittag zurück.
Er sagte stolz: "Das glaubst du nie,
dein Sohn ist ein Verkaufsgenie!
Denn ich bekam, und weiß nicht wie,
den coolsten Ausgleich für das Vieh."
Die Mutter spottete: "Du Depp!
Das Angebot war sicher Nepp!"
Als Jack ihr stolz die Bohne reichte,
erschrak sie so, dass sie erbleichte.
Sie sprang entgeistert hoch und schrie:
"So aufgebracht war ich noch nie!
Du bringst das gute Rindvieh weg,
Und kommst zurück mit diesem Dreck?"
Sie schlug dem Knaben wutentbrannt
zuerst die Bohne aus der Hand,
dann sammelte sie Energie
und legte Jacki übers Knie.
Sie nahm (und das war wirklich mies)
zum Prügeln einen Bratenspieß.

Um 10 Uhr abends vor dem Haus
schlug simultan die Bohne aus.
Sie wuchs enorm. Die Spitze lag
im Himmel hoch am nächsten Tag.
Jack rief entzückt: "Was sagste nu?
Ist das nicht besser als die Kuh?"
Die Mutter schrie den Jungen an:
"Ich seh’ nichts, was man pflücken kann!
Nicht eine Bohne! Alles leer!"
"Nein, Nein!" rief Jacki, "schau doch her!
Das Glück ist uns jetzt endlich hold.
Die Blätter oben sind aus Gold!"
Der Junge hatte wirklich recht.
Im Wipfel glänzte es nicht schlecht!
Und selbst die Mutter nahm nun wahr,
wie kostbar diese Bohne war.
"Der Mini", rief sie, "ist passé,
ich kauf mir einen BMW.
Steh nicht blöd rum, du kleiner Troll,
hinauf, pflück dir die Taschen voll!"

Und Jack benahm sich heldenhaft.
Er kraxelte mit aller Kraft
und immer höher ohne Rast.
Er war schon an der Spitze fast,
als was Entsetzliches geschah:
Er hörte über sich ganz nah,
dass eine Stimme grollend tief
wie ein Gewitterdonner rief:
"HM, HM, WAS DUFTET DA SO GUT?
HM, HM, ICH RIECHE MENSCHENBLUT!"
Da wurde Jacki ziemlich munter,
in halber Zeit war er herunter.
Er keuchte: "Mama, aus der Traum,
es ist was Schreckliches im Baum.
Da sitzt ein Riese auf dem Blatt,
der einen feinen Riecher hat!"
Die Mutter zischte aufgebracht:
"Das hast du dir nur ausgedacht!"
Jack sprach: "Ich schwör, er roch mein Blut.
Er rief, dass er mich riechen tut."
Die Mutter schrie: "Wer riecht dich nicht?"
Du wäschst dich ja auch nie, du Wicht.
Ein Bad kann eine Wohltat sein.
Doch badest du? Zur Hölle! Nein!
Du machst selbst deine Mutter krank
mit deinem garstigen Gestank."
Jack sagte trotzig: "So ein Mist!
Geh selbst, wenn du so sauber bist!"
Die Mutter schrie: "Dann mach ich′s halt!
Du glaubst doch nicht, ich sei zu alt?"
Sie schürzte ihren Rock und dann
sprang sie sportiv die Bohne an.
War seine Mutter wirklich noch
so sauber, dass sie niemand roch?
Jack hätte nicht darauf geschworen!
Er spitzte die verdreckten Ohren.

Nach einer kleinen Ewigkeit
erklang ein Schmatzen wie von weit.
Der Riese rülpste frohgemut:
"Verdammt, das war mal richtig gut,
obwohl", und das erzürnt im Ton,
"ein wenig sehnig war es schon."
Jack rief perplex: "Na, das ist dreist!
Der Kerl hat meine Ma verspeist!
Er hat sie nun in seinem Bauch.
Ich hab′s geahnt: Sie stinkt ihm auch."
Jack blickte sehnsuchtsvoll empor,
das Schmatzen war ihm noch im Ohr.
Und schließlich sprach er wie in Trance:
"Ich glaub, ich hab nur eine Chance.
Ich will auf diesen hohen Baum,
doch schaffe ich es sicher kaum,
wenn ich jetzt nicht zum Schlimmsten greife."
Er ging ins Bad und nahm die Seife
und schrubbte sich mit Haut und Haar.
Er putzte sich die Zähne gar.
Den Füßen und den beiden Ohren
ging der pikante Duft verloren.
Erneut bestieg er nun die Bohne
und fand den Riesen in der Krone.
Der saß dort groß und ordinär;
er schniefte überaus vulgär
und grunzte dann (Jack war nicht weit):
"Ich rieche niemanden zurzeit!"
und damit schlief er faul und satt.
Jack pflückte eifrig Blatt um Blatt
und wurde dabei richtig reich.
Ein Millionär ist kein Vergleich.
"Ein Bad", sprach er, "ist ganz erträglich.
Ich glaub, ich bade fortan täglich."
Stefan Krüger, Brühl, 16.01.2005
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