Stefan Krüger | lyrische Texte
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denn wir sind nur lange fäden
die durch raum und zeit sich winden
ohne anfang ohne ende finden
wir uns frei und doch gebunden
in den netzen eingewunden
neue knotend, die dann heiter
lose oder spannend weiter
neue fäden in sich binden
endlos nie ein ende finden


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Dieser Text wurde von mir am 10.12.2002 in der Usegroup ′de.etc.schreiben.lyrik′ gepostet und entwickelte sich dank der mitdichtenden Hilfe von Grillsenpick weiter. Die kurzen Zwischentexte entstammen dem Helgilied (Ältere Edda, Übersetzung von Arnulf Krause)
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Hallo Stefan,

ich erlaube mir, Deine Zusammenstellung zu ergänzen und setze
sie dem Schicksal eines neuen Threads aus ...

Gruß Uwe

:-)
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* * *

Urzeit war es,
als die Adler schrien,
heilige Wasser strömten
von den Himmelsbergen,

*

denn wir sind nur lange fäden
die durch raum und zeit sich winden
ohne anfang ohne ende finden
wir uns frei und doch gebunden
in den netzen eingewunden
neue knotend, die dann heiter
lose oder spannend weiter
neue fäden in sich binden
endlos nie ein ende finden

*
da hatte Helgi,
den großmütigen,
Borghild in Bralund
geboren.

*

denn wir sind nur billard-kugeln
angestoßen zwischen banden
manche laufen durch und landen
vor der zeit schon in den gruben
andre harren träg wie kuben
ohne schwung auf ihren sitzen
viele aber müssen flitzen
zickzack fremdem prall ergeben
sich in blindem spiel verleben

*

Nacht war′s auf dem Hof,
die Nornen kamen,
die dem Edlen
das Alter entschieden;

*

denn wir sind nur kinderhefte
in den augen mancher spötter
voller fehler kleiner götter
seiten ein und ausgerissen
dies verschmiert und das verschlissen
krakel ungeübter hände
überzeichnet ohne ende
ausgeext und abgeschrieben
und man wird es dennoch lieben

*

sie bestimmten dem Fürsten,
der berühmteste zu werden
und als bester
aller Herrscher zu scheinen.

*

denn wir sind nur marionetten
die an schicksals-fäden walten
unsichtbare hände schalten
menschen götter und dämonen
durch das schauspiel der äonen
nebelgraue nornen spinnen
zeiten-garn und welten-linnen
doch die finger die sie rühren
folgen willenlos noch schnüren
die ins unbestimmte führen ...

*

Und kräftig knüpften sie
die Schicksalsfäden,
als man Burgen brach
in Bralund;

*

denn wir sind nur schreibtischladen
aufgezogen an den tagen
liegen sauber auftgetragen
stifte blöcke und notizen
marken münzen federspitzen
zugeschoben in den nächten
bricht das chaos aus den schächten
apfelkitschen alte socken
staub- und hanf- und haferflocken
tanzen wild doch ohne schaden
denn wir sind nur schreibtischladen

*

sie trennten
goldene Fäden.
befestigten sie
mitten unterm Mondsaal.

*

denn wir sind nur ephemeren
flatternd über daseins-teichen
gaukeln glitzern blitzen blinken
kurze zeit bis wir versinken
und die blanken spiegel dunkeln
täglich unterm schwall der leichen
die verrotten und verbleichen
ferne lichtes grünen reichen
wo die hochgemuten schnellen
blau-smararagdenen libellen
herrlich in der sonne funkeln

*

Tief tönten bronzenen Luren durch
die Gaue. Und zum Ruhme Bragors
schäumte drei Tage und Nächte
aus Hörnern köstlichster Meth.

* * *


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History ;-)
Begonnen am 10.12.2002 von Stefan Krueger,
weitergeplänkelt am 17., 22. und 31.12.2002 von Grillsenpick,
liebevoll ergänzt von Stefan am 20. und 30.12. 2002.

Was immer es auch sei -
es bedeutet nichts.
Stefan Krüger, September 2002
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