Stefan Krüger | lyrische Texte
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die nackte wahrheit
wo nur die schönsten ohnegleichen
im sommer sich die hände reichen
im adamskleid als augenschmaus
sah man sie einst vorüberschleichen
und sie sah nicht erquicklich aus

sie ging gebeugt und alt und hässlich
die brüste wippten flach und grässlich
und sie war leider völlig nackt
die augen schielten unerlässlich
als hätte sie ein wahn gepackt

wie konnte sie sich hier nur trauen!
man wagte kaum, sie anzuschauen
man würgte, wenn man sie nur sah
nur einer schien sich nicht zu grauen
er griff erfreut zur kamera

ein zweiter rief mit falschem lachen:
sind sie verrückt? der alte drachen
geht mir schon so kaum aus dem sinn
wie können sie nur fotos machen?
der fotograf sprach daraufhin:

nur keine angst, sie wird schon gehen
ich liebe es, sie nackt zu sehen
ist dieser anblick auch obszön
es ist nicht leicht, das zu verstehen
doch wahrheit ist nicht immer schön
Stefan Krüger, Brühl, 09.09.2006
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