Stefan Krüger | lyrische Texte
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à la mode
ihr blick fiel in den leiderschrank
verfing sich im gewühl und trank
die ausgebleichte zeit
doch wie er schmachtend tiefer sank
da schmeckte es verstaubt und krank
nach alter bitterkeit

es hing dort ein verdrängter fluch
ein weißt-du-noch aus altem tuch
von motten unberührt
ein geist kam so auf hausbesuch
aus einem toten tagebuch
das sie dereinst geführt

sie stand erschüttert zu beginn
doch schließlich griff sie einfach hin
und zog das leid hervor
sie klemmte es sich unters kinn
und fühlte es mit jedem sinn
wie sich die zeit verlor

da war sie wieder schön und jung
im spiegel der erinnerung
beim ungestümen tanz
das leid war ihre aufmachung
der stoff fiel elegant im schwung
und sie verlor sich ganz

doch plötzlich gab es einen stich
der stoff war rau der traum verblich
es gab für sie kein glück
sie nahm das leid ganz sanft von sich
sie streichelte es inniglich
und hängte es zurück
Stefan Krüger, 08.03.2010 / 29.10.2010
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