Stefan Krüger | lyrische Texte
Start Texte Impressum
zurück
klangfarben
1. Satz, Allegro
herr violine kam aus prag
in den orchestergraben
und war, wenn man ihm glauben mag
recht streichzart und zu haben
viola, solo und kompakt
schmolz hin vor seiner partitur
und es verging kein vierteltakt
da spielten sie duett in dur

2. Satz, Andante
sie waren aus dem selben holz
und hielten hoch die harmonie
doch fehlte ihnen noch zum stolz
ein kind, denn das gehört ja, wie
ein jeder weiß, zum guten ton
ein kind macht erst den dreiklang voll
doch keine tochter kam, kein sohn
das kinderthema blieb in moll

3. Satz, Presto
ihr leben lief bald aus dem takt
er sank und kam nicht davon los
sie war verstimmt, von wut gepackt
beschimpfte sie ihn furios
worauf er fugenreich parierte
bis es dann endlich doch passierte
ein kind entsprang dem wilden streit
das bald ihr leben dirigierte
sie waren nun nie mehr zu zweit

Finale, Allegro giusto
sie spielten einig im terzett
doch nicht, wie man terzette kennt
denn sie gebar kein instrument
beim zeugungsakt im ehebett
war violine ziemlich blau
und rot vor wut war seine frau
aus diesem grund gelang der nacht
ein klangbild schönster farbenpracht
ein kind mit namen violett
Stefan Krüger, Brühl, November 2004
zurück