Stefan Krüger | lyrische Texte
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palimpsest
wie ruhelos du doch noch bist
dein farbendurst bleibt ungestillt
ein neuer tag, ein neues bild
auch wenn die leinwand rissig ist
die farben werden neu gemischt
der pinsel sauber abgewischt
getaucht, geführt, bis er vergisst
dass er wie du ein werkzeug ist

so malt der tag sich selbst ins licht
mit stetig fließender gewalt
die leinwand hüllt sich in gestalt
und zeigt dir endlich ein gesicht
mal lacht es, weint es, brüllt und schreit
mal ist es lustig, mal voll leid
auch wenn es dir das herz gebricht
das antlitz ändern kannst du nicht

es trinkt sich an der farbe satt
der letzte strich ist so perfekt
dass sich das werk ins leben weckt
nichts braucht es noch, was es nicht hat
du prägst dir diesen anblick ein
dann nimmst du einen scharfen stein
und schabst die leinwand wieder glatt
sie wird wie du zum weißen blatt
Stefan Krüger, Bonn / Köln, 01.08.2011
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