Stefan Krüger | lyrische Texte
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narrenspiegel
als ich vor meinem spiegel stand
und tiefen einblick in mich fand
erkannte ich es klar
ich war nur ein kaleidoskop
das bunt sich ins bewusstsein schob
nur er dahinter, er war wahr

die augen scharf wie ein skalpell
sezierten mich geschickt und schnell
ich wurde offenbar
und brach zusammen ohne laut
die bosheit hatte mich durchschaut
er stand zwar grinsend da

doch tief im grinsen war ein leid
aus ihm sprach nackte einsamkeit
er war so unnahbar
er existierte ganz allein
kein mensch kann derart einsam sein
wie er es ewig war

als ich erwachte, war er weg
der spiegel leer, ein blinder fleck
kein zeichen von gefahr
doch weiß ich um des spiegels fluch
ich deckte ihn mit weißem tuch
und schrieb darauf: ein narr!
Stefan Krüger, Provence, 6.4.2015
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