Stefan Krüger | lyrische Texte
Start Texte Impressum
zurück
der träumende narr
am morgen träumt der narr vom fliegen
er glaubt, er hätte große schwingen
er bräuchte nur kurz hoch zu springen
und damit würde ihm gelingen
ganz leicht die schwerkraft zu besiegen
doch als er springt die luft im sinn
fällt er glatt hin

am mittag träumt der narr vom streben
er glaubt, er wurzle in der erde
sie nähre ihn mit kraft, er werde
sich mit entfaltender gebärde
bis in das himmelszelt erheben
er müht sich, dass er wächst, allein
er bleibt doch klein

am abend träumt der narr vom brennen
er glaubt, er leuchte ohne ende
und wenn die welt auch ganz verschwände
sein geist, beschützt durch gottes hände
sei ewig nicht vom licht zu trennen
ein tropfen regen fällt, es zischt
der narr verlischt

man mag auf träume nicht viel geben
dem narren war das träumen leben
und dieses leben war ihm lust
auch wenn deswegen mancher frust
enttäuschend oft sein dasein säumt
gesegnet ist der narr, der träumt
Stefan Krüger, Köln, 10.4.2015
zurück