Stefan Krüger | lyrische Texte
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zum ersten mai
er ist sich immer treu geblieben
hat ausgesprochen, was er denkt
er hat den kampf vorangetrieben
und denen oben nichts geschenkt
trotz tränengas und schlagstockhieben
hat er die fahne stolz geschwenkt
und das establishment bedrängt
er hat geschichte mitgeschrieben

die demo aber kam ins stocken
je nu - es wurde viel erreicht
nun darf er in der bude hocken
derweil das alter näher schleicht
mit grauem star und grauen locken
nur manchmal geht ihm auf vielleicht
wie sehr er seinem vater gleicht
betulich und in warmen socken

doch das kann er nicht akzeptieren
sein vater war ein idiot
für keinen streik zu int’ressieren
ein egoist ganz ohne not
er muss und kann sich distanzieren
sein alter herr war ein despot
und sah beim kleinsten anlass rot
das würde ihm selbst nie passieren

so sitzt er eitel abgeschieden
er sieht zwar, dass die erde brennt
doch sie und er sind grundverschieden
weil er ja jetzt den wohlstand kennt
er hat die arbeit nie gemieden
wird zeit, dass mal ein andrer rennt
so ist er längst establishment
und gönnt den andern keinen frieden

Stefan Krüger, Bonn-Köln, 03.05.2017
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