Stefan Krüger | lyrische Texte
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der soldat
sehr weise war er nicht
auch wenn er selbst es dachte
sein bart wuchs zwar schon dicht
nur trug er kein gesicht
das ihn zum manne machte

doch dies vergaß er bald
weil man ihm nichts verwehrte
er war zwar noch nicht alt
doch göttlich an gestalt
dass jeder ihn begehrte

so kam es, dass er dann
das schicksal selbst betörte
es sah ihn einfach an
geriet in seinen bann
er wünschte, es erhörte

ich will, sprach er zu sich
weit über hundert werden
doch dabei halte sich
mein körper jugendlich
ganz ohne die beschwerden

da kam der krieg ins land
und sah den jungen stehen
bezaubernd und charmant
er nahm ihn an die hand
und zwang ihn fortzugehen

er führte ihn hinweg
in mörderische schlachten
der tod war nun sein zweck
er wälzte sich im dreck
weil alle dort es machten

und in der grausamkeit
der ausweglosen lage
in hass, gestank und leid
der unerträglichkeit
entrückten ihm die tage

auch fern im heimatort
sah man die zeit nicht weilen
ein jahr war er schon fort
doch hier in krieg und mord
schien seine zeit zu eilen

war es sein pech? sein glück?
kein schuss riss ihn je nieder
doch brach er stück für stück
der krieg zog sich zurück
und er fuhr heimwärts wieder

schön sah er aus und jung
er wurde sehr bewundert
doch war er ohne schwung
mit der erinnerung
war er weit über hundert
Stefan Krüger, 09.05.2017
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