Stefan Krüger | lyrische Texte
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die autobahnraststätte
Jardin du Luxembourg
es ist das ende einer hauptsaison
erstarrt steht, was doch eben noch geschwind
in blech verpackt mit vater, mutter, kind
gerast ist über autobahnbeton
sie sitzen in den gurten angespannt
und über allem hängt der atem von benzin
vermischt mit scharfer hektik und urin
und hier und dort weht ein papier im wind

wer kann, stellt sich sein autoklima kalt
und hält die fenster dabei fest verschlossen
ein mädchen sitzt apathisch eingeschnallt

und zwischen koffern hockt verklemmt ein junge
er fiebert, denn ein sonnenstich beginnt
das mädchen zeigt erbarmungslos die zunge

und hier und dort weht ein papier im wind

ein fensterputzer wedelt unverdrossen
mit seinem lappen, hebt den eimer putzig
man winkt ihm ab und lässt die scheibe schmutzig
das radio schweigt zäh, zum streik entschlossen

und hier und dort weht ein papier im wind

drei fette spatzen streiten sich um krumen
sie sind längst satt, der streit ist nur ein spiel
und zwischen ausgedorrten, grauen blumen
verliert ein teddybär allmählich an profil
und endlich ist man selber an der spitze
man tankt und zahlt und wirft sich in die sitze
und weiter geht es atemlos und ohne ziel
Stefan Krüger, Brühl, 07.11.2004
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