Stefan Krüger | lyrische Texte
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sommertag in der stadt
in den frühen sommerstunden
ist die stadt noch nicht erwacht
alle hektik scheint verschwunden
nach dem kühlen kuss der nacht
denn der strom am fuß der fluchten
ist versiegt und wie erstarrt
schläft die straße in den schluchten
reglos ohne gegenwart

doch die warme sonne wandert
und ein feiner strahl aus licht
an der hochhausfront mäandert
bis er sich am fenster bricht
ein paar schlurfende gestalten
blinzeln müde durch die stadt
nun ist es nicht aufzuhalten
nun, da es begonnen hat

türen gehen, autos starten
fügen sich zu einem fluss
an den haltestellen warten
menschentrauben auf den bus
warm beginnt die luft zu stinken
höher führt der sonne lauf
und die stadt hebt an zu trinken
saugt die hitze gierig auf

niemand hält es mehr im hause
überall strömt es hervor
menschen sprudeln ohne pause
aus dem großen bahnhofstor
aus den seitenstraßen quellen
lauter autos ohne zahl
schlagen an den ampeln wellen
stetig schwillt der strom aus stahl

unerträglich wird die hitze
schrecklich laut füllt der verkehr
lärmend noch die letzte ritze
alles flutend wie ein meer
doch im qualm des staus verloren
ist das tidenhoch erreicht
und kaum hörbar für die ohren
reduziert der strom sich leicht

unterm schutz der zebrastreifen
zeigt sich zaghaft schon asphalt
ramponiert vom sturm der reifen
wie von einer urgewalt
in den wild umtosten schluchten
nimmt die ruhe oberhand
nur an freien parkplatzbuchten
ist noch laut ein kampf entbrannt

bis dass die motoren schweigen
und die dämmerung beginnt
auf verwaisten bürgersteigen
wirbelt einsam dreck im wind
stetig sinkt die sonne nieder
glüht auch manches dach besonnt
sie erreicht doch endlich wieder
den ersehnten horizont

wohlig hüllt der schwarze himmel
vieles ein, was schlafen mag
mancherorts ist noch gewimmel
aufgepeitscht vom langen tag
doch nach lichterhellen stunden
sucht auch bald der letzte ruh
und schließt für ein paar sekunden
wie betäubt die augen zu
Stefan Krüger, Köln-Bonn, 14. Juli 2017
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