Stefan Krüger | lyrische Texte
Start Texte Impressum
zurück
die venezianische maske
ein lächeln liegt auf meinem schrank
verletzlich, sanft und weise
man schenkte es mir einst zum dank
nach einer langen reise
es lächelt still und unverwandt
in weißes porzellan gebrannt
und kommt nie aus dem gleise

das lächeln scheint noch bunt verziert
doch das ist eine lüge
denn heimlich aber ungeniert
verlieren sich die züge
die farbe blättert hemmungslos
und stellt das bunte lächeln bloß
auf dass es nie mehr trüge

ein schock verglüht mich wie ein brand
als ich das lächeln zücke
es fällt mir schmerzend aus der hand
und bricht in viele stücke
ich klebe es, so gut ich kann
doch, wo ich fehle, dann und wann
klafft mir nun eine lücke

ein lächeln liegt auf meinem schrank
doch kann man lächeln sagen?
es grinst so schief und sorgenkrank
als wäre es geschlagen
der staub mag schminken, wie er mag
ich habe es seit jenem tag
nie wieder aufgetragen
Stefan Krüger, Brühl, 11.11.2004
zurück