Stefan Krüger | lyrische Texte
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herbst
gestern nacht
da trank die welt ein kühles schweigen
die grillen packten ihre geigen
in ihre alten geigenkästen
und zwischen bunt belaubten ästen
hing nackt und gelb der mond
er schien so bloßgestellt verlegen
sich aus dem dickicht zu bewegen
er schien mir plötzlich ungewohnt
was hatte ihn so scheu gemacht

gestern nacht

kam er zurück nach langer reise
die vögel grüßten ihn ganz leise
doch er blieb kalt in einer weise
dass sie erbebten in den nestern
war es nicht auch erst gestern
da sie noch ohne jeden flaum
vor hunger krähten hoch im baum
wann hat man ihnen, flügge kaum
die kunst des fliegens beigebracht

gestern nacht

da trug der herbst noch volles haar
er trat beschwingt zu mir ins jahr
wir wanderten durch leere straßen
weil alle noch im sommer saßen
ich blickte sehnend nach dem norden
doch er hat über mich gelacht
und es ist kalt geworden
gestern nacht
Stefan Krüger, Brühl, September 1997
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