Stefan Krüger | lyrische Texte
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prometheus
am morgen ist der brand vorbei, die schwarz verkohlten wände, die qualmend in den himmel ragen und nichts mehr als sich selber tragen, bedeuten dir das ende, du stehst allein und lachst dabei, die aufgeplatzten hände verspüren keine schmerzen mehr, dein blick ist ausgebrannt und leer, dein lachen, das spricht bände, denn wer verloren hat, ist frei, er kann nicht mehr verlieren, du hast kein heim mehr und kein geld, dein dach ist nun das himmelszelt, was kann dir noch passieren? im nichts ist alles einerlei, ein wrack darf still versinken, dein kopf schmerzt höllisch nach der nacht, die du im qualme zugebracht, du trinkst, um zu ertrinken, und in dir explodiert ein schrei, du kannst dich nicht ertragen, du bist jetzt ein gebranntes kind, dich löscht kein wasser mehr, der wind wird wieder flammen schlagen, der tag vergeht in einem brei, wer wird es je ergründen? du holst dir wieder terpentin, tränkst alles mit dem waschbenzin, um es dann zu entzünden, und niemand ruft die polizei

die hölle kann beginnen
dein haus ist in der schwarzen nacht
ein feuerwerk von farbenpracht
du triumphierst von sinnen
und wähnst nur kurz, du wärest frei

am morgen ist der brand vorbei
Stefan Krüger, In der Bahn nach Essen, Herbst 2002
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